Kommentar

Bullshit! Obama erhält den Friedensnobelpreis. Wofür eigentlich?

Die jährliche Verkündigung des Dynamit-Hersteller-Preises wird bei einigen immer mit großer Spannung erwartet. Und während sich die einen ausrechnen, dass dieses Jahr sie mal dran sein müssten, kommen doch ab und zu auch richtige Überraschungen zu Tage. So wie der heute verkündete Friedensnobelpreis an den US-Präsidenten Barack Obama.

Dies Entscheidung scheint doch sehr inflationär zu sein. Schon der Gedanke, dass Politiker einen solchen Preis bekommen, sind sie doch eher für die Kriege zuständig, für Versprechen, für Floskeln jeder Art, aber Frieden wird in der Regel von Kriegsparteien erzwungen, oder von der Zivilgesellschaft erstritten, selten aber von PolitikerInnen initiiert.

Und wenn nun schon Wahlversprechen, bzw. das schlichte „Bemühen“ um Frieden reicht, oder alleine die Aussicht darauf, dass dieser US-Präsident mal keinen Krieg vom Zaune brechen könnte, die Verleihung eines solchen Preises rechtfertigt, scheint mir dies doch ein gewaltiger Schlag ins Gesicht jener AktivistInnen zu sein, die oftmals unter Einsatz ihres Lebens und oft seit Jahrzehnten Friedenspolitik gestalten – wobei es womöglich selbst an den Mitteln für Büromaterial hapert. Und weil die Welt nun mal ist, wie sie ist, gibt es Persönlichkeiten und Gruppen in der Friedensarbeit rund um den Globus. Die Auswahl wäre riesig, allein schon aufgrund der kriegerischen Tätigkeiten der Supermächte.

Obama hat bisher – außer Wahlversprechen – nichts handfestes zum Frieden beigetragen. Nichts! Alleine, wenn wir uns vorstellen sollen, dass er es bis heute nicht geregelt bekommen hat das rechtswidrige Gefangenenlager Guatanamo aufzulösen, sehe ich schwarz dafür, dass Obama es etwa schaffen sollte z.B. den Irak-Krieg zu beenden, oder etwa das Bombardement der Zivilbevölkerung in Afghanistan. Ganz zu schweigen von der Abschaffung der Atomwaffen.

Was immer das norwegische Preisverleihungskomitee veranlasst hat den Preis (die Million Euro wie das Prestige) ausgerechnet an Obama zu geben mag deren Geheimnis bleiben. Ein Mangel an Alternativen kann es jedenfalls nicht gewesen sein. Vielleicht eine Verschwörung islamisch/christlicher Fundamentalisten, die den US-Präsidenten scheitern sehen wollen? Spaß bei Seite: Soll dieser Preis noch irgendwie ernstgenommen werden müsste Obama ihn ablehnen, zugunsten jener die nicht nur reden und/oder Versprechungen machen.

Vielleicht, unter Umständen... kann Barack Obama mal in einigen Jahren von sich sagen, das er ein Friedenspräsident war, vielleicht, und selbst das wäre unter den US-Präsidenten schon was besonderes, aber dies könnte er erst in drei oder sieben Jahren von sich sagen, nicht aber heute. Auch dies müsste sich der Präsident der Vereinigten Staaten erst einmal erarbeiten.

So ist dieser Preis höchstens ein Versprechen in eine ungewisse Zukunft. Möge das norwegische Komitee im nächsten Jahr ein besseres Entscheidungsvermögen haben. Solange muss wohl weiterhin der Frieden ohne die Million Euro auskommen, und weiterhin mühselig von unten erkämpft werden. Aber so: Bullshit!

Jochen Knoblauch